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Andacht „Seid stark in dem Herrn!“ Claudius, Schüler einer 7. Klasse, hatte den ganzen Nachmittag versucht, eine Rechenaufgabe zu lösen. Es gelang ihm nicht. Er sah dem Mathematikunterricht am nächsten Tag mit einem mulmigen Gefühl entgegen. Wie jedes Mal ging sein Mathelehrer durch die Reihen, um die Hausaufgaben zu kontrollieren. Als er vor ihm stehen blieb und ihn ärgerlich ansah, sagte Claudius: „Ich habe es stundenlang probiert, ich habe mich reingekniet und wollte die Aufgabe unbedingt lösen. Ich habe es einfach nicht geschafft.“ Da schaute ihn sein Lehrer an und sagte: „Ich glaube dir, dass du dich nach besten Kräften bemüht hast. Und deshalb hast du es sehr gut gemacht – auch wenn du die Aufgabe nicht lösen konntest!“ In Epheser 6,10 sagt Paulus: „Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke.“ Vielen von uns geht es im übertragenen Sinn so wie Claudius: Wir geben uns Mühe. Wir kämpfen für eine Sache oder versuchen eine Aufgabe zu lösen, aber wir schaffen es aus eigener Kraft nicht. Wir beherzigen die ersten beiden Worte des Verses: „Sei(d) stark!“ Aber der Rest des Verses fällt dann irgendwie hinten runter. Es heißt hier jedoch: „Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke.“ Ja, in sich selbst ist die christliche Gemeinde schwach. In Christus jedoch ist sie stark. Den Vers könnte man auch so übersetzen: „Lasst euch kräftigen durch den Herrn und durch die Macht seiner Stärke!“ Mit diesem Aufruf wird der Gemeinde deutlich gemacht, dass sie Stärkung braucht. Schon am Anfang des Epheserbriefes (1,17-19) betete Paulus um den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit sie die unendliche Größe der Macht Gottes erkennen. Diese göttliche Macht ist für den Menschen gar nicht so ohne weiteres erkennbar, sondern kann nur von Gott erbeten und durch den Geist gewirkt sein. Auch später im Brief spricht Paulus von der göttlichen Macht der Gnade (3,7), die ihn gerettet und zu einem Diener des Evangeliums gemacht hat. Die Stärke, die der angefochtene Christ braucht, kann nicht aus ihm selbst kommen. Er braucht die Kräftigung durch seinen Herrn. Wie kann das geschehen? Wie bekommen wir diese Kraft? Wir bekommen sie nur im Gebet. Ohne Gebet läuft nichts im geistlichen Leben. Inzwischen ist es für mich zu einer guten Gewohnheit geworden, (fast) jeden Tag mit Gott spazieren zu gehen. In dieser Zeit bespreche ich mit meinem Herrn alle Dinge, die mich bewegen und beschäftigen. Ich danke ihm, lade meine Lasten bei ihm ab, bitte, klage und lobe ihn. Und ich darf es erleben, wie er mich beschenkt und zu mir redet. Und das Schönste ist, wenn ich erleben darf, wie er mich durch seinen Heiligen Geist stärkt. Er stärkt mich mit seiner Kraft. Manchmal stärkt er mich durch einen Vers aus der Bibel. Beim Spazierengehen kreise ich in Gedanken um diesen Vers und er entfaltet seine göttliche Kraft, indem er mein Denken prägt und verändert. Oder der lebendige Gott stärkt mich durch seine Anwesenheit, weil er mit mir unterwegs ist. Es passiert auf ganz unterschiedliche Weise. Ich überlasse es ihm, wie er das macht. Indem ich meine Beziehung zu ihm pflege und mit ihm unterwegs bin, stärkt er mich. Es ist mir aufgefallen, dass es einige Bibelstellen gibt, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Wir lesen z.B. bei Hiob (26,2) davon: „Wie sehr stehst du dem bei, der keine Kraft hat, hilfst du dem, der keine Stärke in den Armen hat.“ Und auch Jeremia erlebt, dass ihn die Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott stärkt (16,19): „Herr, du bist meine Stärke und Kraft und meine Zuflucht in der Not!“ Wichtigste Voraussetzung, um Kraft zu empfangen, ist, dass ich mit meiner Schwachheit und meiner Hilflosigkeit zu Gott komme. Für den einen oder anderen ist das ein ganz schwerer Schritt, Schwäche zuzugeben. Aber schließlich müssen wir ja nicht Gott sein. Diese Rolle steht uns nicht zu. Wir sind eingeladen, Gott Gott sein zu lassen. Er will „meine Stärke“ sein. Jesus sagt: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ Darum kann Paulus antworten: „Darum will ich mich rühmen meiner Schwachheit, damit die Kraft Christi bei mir wohne.“ (2 Kor 12,9) Ich möchte mit einer Frage schließen: Aus welcher Quelle schöpfen Sie Ihre Kraft für den Alltag? Ihr Hermann Straub |
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